Ratgeber · Scan-to-BIM
Was ist Scan-to-BIM?
Vom Laserscan zum BIM-Modell.
Scan-to-BIM bezeichnet den Weg vom 3D-Laserscan eines bestehenden Gebäudes zu einem BIM-Modell: Aus der Punktwolke werden Wände, Decken, Türen und Fenster als digitale Bauteile nachmodelliert. Das Ergebnis ist ein 3D-Modell, mit dem Architekten und Fachplaner direkt weiterarbeiten können, zum Beispiel in Autodesk Revit oder über das offene Format IFC.
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Was ist ein BIM-Modell?
BIM steht für Building Information Modeling. Ein BIM-Modell ist mehr als eine 3D-Zeichnung: Es besteht aus Bauteilen wie Wänden, Decken, Fenstern oder Treppen, die wissen, was sie sind. Eine Wand ist im Modell eine Wand, mit Dicke, Höhe und Lage und auf Wunsch mit weiteren Informationen.
Aus dem Modell lassen sich Grundrisse, Schnitte, Ansichten und Mengen ableiten. Ändert sich etwas, ändert es sich überall. Deshalb arbeiten immer mehr Planungsbüros mit BIM, auch bei Projekten im Bestand.
Die vier Schritte von der Punktwolke zum Modell
- Erfassung vor OrtEin terrestrischer Laserscanner auf einem Stativ misst das Gebäude von vielen Standpunkten aus. Jeder Scan besteht aus Millionen Messpunkten. Dächer und hohe Fassaden lassen sich zusätzlich per Drohne erfassen.
- RegistrierungDie einzelnen Scans werden am Rechner zu einer gemeinsamen Punktwolke zusammengefügt, bereinigt und ausgerichtet. Das Ergebnis ist ein vollständiges, maßstabsgetreues 3D-Abbild des Bestands.
- ModellierungIn einer BIM-Software wie Revit werden die Bauteile auf Basis der Punktwolke nachgebaut. Wie detailliert, legen Sie vorher fest.
- ÜbergabeSie erhalten das Modell als RVT-Datei für Revit oder als IFC-Datei für andere Programme, auf Wunsch zusätzlich die Punktwolke als E57 oder RCP.
Detailtiefe: LOD, LOG und LOI
Wie genau und wie ausführlich ein Modell sein soll, beschreibt die Detailtiefe. International verbreitet ist die Angabe als LOD (Level of Development) in Stufen von 100 bis 500. In Deutschland unterscheidet man häufig zwischen LOG (Level of Geometry: wie genau die Form modelliert ist) und LOI (Level of Information: welche Informationen an den Bauteilen hängen).
Für Bestandsmodelle gilt: Mehr Detail kostet mehr Zeit. Für eine Umbauplanung reicht oft ein Modell, das Wände, Decken, Öffnungen und Treppen sauber abbildet. Profile, Leitungen oder Möbel werden nur modelliert, wenn Sie sie wirklich brauchen. Die Detailtiefe sollte deshalb vor dem Auftrag gemeinsam festgelegt werden.
Was ein Laserscan liefert, und was nicht
Das erfasst der Scanner
- Geometrie: Lage, Maße und Form aller sichtbaren Oberflächen, auch schiefe Wände und Gewölbe
- Farbe: aus den Panoramafotos, die der Scanner gleichzeitig aufnimmt
- Zusammenhänge: alle Räume und Geschosse in einem gemeinsamen Koordinatensystem
Das erkennt der Scanner nicht
- Materialien und Schichtaufbauten: ob eine Wand aus Ziegel oder Beton ist, sieht man in der Punktwolke nicht
- Verdeckte Bauteile: Leitungen in der Wand oder Balken hinter einer Verkleidung
- Bereiche ohne Sichtverbindung: was kein Scanstandort sieht, fehlt in der Punktwolke
Punktwolke, CAD oder BIM: Was brauchen Sie?
Nicht jedes Projekt braucht ein BIM-Modell. Oft reicht ein einfacheres Ergebnis aus der gleichen Punktwolke.
| Ergebnis | Geeignet für | Format |
|---|---|---|
| Punktwolke | Archiv, eigene Auswertung, Grundlage für alles Weitere | E57, RCP, LGS |
| Realitätspläne (Scan-to-Plan) | schneller, günstiger Überblick, am besten bei leerstehenden Gebäuden | PNG, PDF |
| CAD-Pläne (Scan-to-CAD) | klassische 2D-Planung und Ausführung | DWG, DXF |
| BIM-Modell (Scan-to-BIM) | Umbau größerer Gebäude, Zusammenarbeit mehrerer Planer, Gebäudebetrieb | RVT, IFC |
Wann lohnt sich Scan-to-BIM?
Eher ja
- Größere Gebäude, an denen mehrere Fachplaner gemeinsam arbeiten
- Projekte, bei denen der Auftraggeber ein BIM-Modell verlangt
- Gebäude, die langfristig digital betrieben und verwaltet werden sollen (Facility Management)
- Umbauten mit vielen Varianten, bei denen Mengen und Flächen immer wieder neu gebraucht werden
Eher nein
- Eine einzelne Wohnung, für die Sie nur einen Grundriss brauchen
- Eine Wohnflächenberechnung für Verkauf oder Vermietung
- Ein erster Überblick über ein leerstehendes Gebäude: Hier sind Realitätspläne schneller und günstiger
Scan-to-BIM bei Vitwin
Bei Vitwin teilen sich zwei Spezialisten die Arbeit. Ich erfasse das Gebäude mit dem Leica BLK360 und erstelle die registrierte Punktwolke. Das BIM-Modell in Revit erstellt Vidraw aus meinem Netzwerk. Der Inhaber studiert wie ich Digitaler Baumeister an der TH Augsburg.
Sie stellen eine Anfrage, ich kläre mit Ihnen den Bedarf und die Detailtiefe, und mit Ihrem Einverständnis erhalten Sie das Angebot für die Modellierung direkt von Vidraw. Die Daten greifen sauber ineinander, weil beide Seiten die Arbeitsweise der anderen kennen.
Häufige Fragen
Wie genau ist ein Scan-to-BIM-Modell?
Die Punktwolke bildet den Bestand am genauesten ab. Im BIM-Modell werden Bauteile wie Wände oder Decken je nach Detailtiefe teilweise vereinfacht, zum Beispiel als gerade Wand mit einheitlicher Dicke. Bei stark gekrümmten oder verformten Bauteilen gibt ein Mesh die Form genauer wieder, enthält aber keine Bauteilinformationen.
Kann ich nur die Punktwolke bekommen und selbst modellieren?
Ja. Sie erhalten die registrierte Punktwolke als E57 oder RCP und dazu eine LGS-Datei für den kostenlosen Leica TruView, mit dem Sie das Gebäude als virtuellen Rundgang ansehen und nachmessen können.
Welche Programme können IFC-Dateien öffnen?
IFC ist ein offenes Austauschformat. Nahezu alle gängigen BIM-Programme können es öffnen, zum Beispiel Revit, Archicad, Allplan oder Vectorworks.
Sie planen ein Scan-to-BIM-Projekt?
Beschreiben Sie mir Gebäude, Zweck und gewünschte Detailtiefe. Sie erhalten innerhalb eines Werktags ein Angebot für den Scan und, mit Ihrem Einverständnis, ein Angebot von Vidraw für die Modellierung.
